Kultur

Lissabons Bahnhof

Seit dem 16. Februar 2008 kann man wieder vom Bahnhof Rossio nach Sintra fahren. Dieser Bahnhof im alten Zentrum Lissabons hat eine lange Geschichte.

Lissabonline ist ein unabhängiger Reiseführer durch Lissabon. Machen Sie sich auf den Weg und navigieren Sie durch die Stadt am westlichen Rand Europas ... [mehr...]

Kleine Geschichte Lissabons

Die Geschichte Lissabons steckt in den "Winkeln, Dachziegeln und Gerüchen jeder Straße" (José Saramago) - von den ersten Faustkeilen am Ufer des Tejo über römische und arabische Zeiten bis zur christlichen Reconquista, vom Zeitalter der Entdeckungen bis zum Erdbeben von 1755, vom Absolutismus bis zur faschistischen Diktatur, zur Nelkenrevolution und bis in die Gegenwart reichen die Spuren.

Lissabon - in der Geschichte der Stadt lesen ist der Titel eines Projekts, aus dem auf dieser Website von Zeit zu Zeit einzelne Kapitel veröffentlicht werden. Viel Spaß beim Lesen!

Stadtführungen durch Lissabon

Sind Sie interessiert an einer Stadtführung durch Lissabon? Wir bieten Ihnen individuelle Spaziergänge durch die Stadt Lissabon, damit Sie nichts verpassen.

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Über Lissabon

an keinem anderen Ort sind die Farben aus so vielen Farben gemacht wie an diesem.

José Cardos Pires: Lissabonner Logbuch, München, Wien 1997.

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Reiselektüre für Lissabon

Lissabon ist eine Stadt zum Schauen, ein Stadtlandschaft, in der oft der Blick von unerwarteten Perspektiven und Fluchten in die Ferne gezogen wird, so dass der Besucher leicht die Zeit und sich vergessen kann. Gibt man dieser Lust nach, wird man keine Bücher in Lissabon brauchen, sondern Muße, um seinen Träumen nachzuhängen.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Städten drängt Lissabon seine Antike dem Besucher nicht auf, präsentiert sich nicht mit dem eitlen Stolz historischen Ruhms. Die monumentalen Denkmäler auf den großen Plätzen der Innenstadt, auf dem Rossio, dem Praça dos Restauradores und dem Praça da Figueira, ähneln ja auch eher surrealen Figuren in metaphysischen Sommerlandschaften als historischen Figuren, die eine Geschichte verkörpern sollen.

Kaum ein Momument stellt sich so unausweichlich dem Spaziergänger in den Weg, dass er gar nicht anders kann als zum Baedeker Lissabon oder zum Baedeker Portugal zu greifen, diesem klassischen Reiseführer, der die Neugier mit unendlichen Fakten, mit der Summe historischen Wissen besänftigen will, oder zum Dumont, um sich an den Kreuzwegstationen der Kulturdenkmäler ein reines Kulturgewissen zu verschaffen, wie der große, in Deutschland fast unbekannte Schriftsteller José Cardoso Pires vermutet.

Dessen Lissabonner Logbuch ist als Lektüre zu empfehlen bevor man an Bord dieses Stadtschiffes geht, eine Schutzimpfung gegen die Versuchung, in Lissabon nur die Klischees der Reiseführer zu finden. Nicht alles mag einem klar werden beim Lesen, aber die Neugier auf Sehenswertes abseits der bekannten Routen wird durch dieses schmale Buch geweckt.

Träumen in Lissabon

Wenn es einen Dichter dieser Stadt Lissabon gibt, dem die Stadt zur allumfassenden Provinz wird, zu einer Welt aus Wolken, Nebelschwaden und Meeresgeruch, dann ist es zweifellos Fernando Pessoa. Ein Zufallsbuch seines Nachsinnens hat er Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares genannt. So ist das auch kein Buch, das man von vorne bis hinten in einem Schwung liest; eher schon verliert man sich in den poetischen und philosophischen Aphorismen als spazierte man wie sein unendlich trauriger Held träumend durch diese Stadt, besonders durch die schnurgeraden Straßen der Unterstadt, die alle wie Flüsse in den Tejo zu münden scheinen, durch die Rua dos Douradors, die für ihn die Welt ist. In diesem sich auflösenden Traumgebilde der Stadt schließt er die Bilanz und weiß: der unsichtbare Saldo spricht immer gegen uns. Auf Pessoas Spuren wandeln und erfahren, was der Reisende seiner Ansicht nach in Lissabon sehen sollte, kann man in dem Lese- und Bilderbuch Mein Lissabon erfahren.

In den Träumen Pessoas fühlt sich Antonio Tabucchi wie zu Hause. Sein Lissabonner Requiem ist eine hinreißende Liebeserklärung an Lissabon, verfasst von einem der größten Bewunderer der Stadt. Zwölf Stunden schlendert der Erzähler durch das glühend heiße Lissabon und schildert all die wunderlichen Dinge und Menschen, die ihm dort begegnen. Wie selbstverständlich tauchen neben realen auch erfundene oder tote Personen auf, die diese bunte Stadt in Wirklichkeit oder in der Literatur bevölkerten. Das heutige und das historische Lissabon verschmelzen, jedem reisenden Leser wird es gleichzeitig vertraut und faszinierend fremd erscheinen.

Und kann man nicht eine Stadt viel besser erkunden, inden man sich treiben lässt? Denn niemand wird eine Stadt kennenlernen können, wenn er sie nicht befragt, indem er sich selbst befragt. Oder besser gesagt, wenn er sich nicht den Zufällen überläßt, die sie unvorhersehbar machen und ihr das Geheimnis ihrer ureignen Einheit verleihen (José Cardoso Pires). Das Geheimnis haust ja in jedem Winkel dieser Stadt, die ihr Innerstes seit Jahrhunderten gewohnt ist, hinter bescheidenen Fassade zu verstecken. Nur die ganz modernen Bürogebäude sind, wie überall in Europa, ganz so wie sie uns erscheinen, sind ganz plakativ und ohne Zauber. Die Grenze zwischen dem modernen Lissabon und dem Lissabon, das sein Geheimnis bewahrt, wird durch eine seltsame Irritation spürbar, durch das Gefühl, das hier noch ein Rest ist, ein Unbekanntes, ein Stück nicht gelebtes Leben, in dem alles ganz anders sein könnte: so wie die Sporthalle im heruntergekommen Palast am Largo do Salvador, in der Kinder auf herrschaftlichem Parkett Fußball spielen.

Und so wie in Pascal Merciers wundervollen Roman, dessen Sprache weder überladen noch karg, sondern voll des Gefühls ist, der Lateinlehrer Raimund Gregorius, der plötzlich sein wohlgeordnetes Leben hinter sich lässt und sich in den Nachtzug nach Lissabon setzt. Im Gepäck: das Buch des Portugiesen Amadeu de Prado, dessen Einsichten in die Erfahrungen des menschlichen Lebens ihn nicht mehr loslassen. Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist - was geschieht mit dem Rest? Diese Worte, gefunden in einem Antiquariat, hatten Gregorius wie einen Schlag getroffen. Wer war dieser Amadeu de Prado? Es beginnt eine rastlose Suche kreuz und quer durch Lissabon, die Suche nach einem anderen Leben und die Suche nach einem ungewöhnlichen Arzt und Poeten, der gegen die Diktatur Salazars gekämpft hat. Und wer nach der Lektüre des Buches durch den Chiado spaziert, wird vielleicht das Vorbild der Apotheke entdecken, die in dem Roman, der mittlerweile auch als Hörbuch erhältlich ist, eine bedeutende Rolle spielt.

Geschichten von Lissabon

Als romantisches Menetekel steht oberhalb der Stadt die Ruine des am 1. November 1775 vom Erdbeben zerstörten Karmeliterklosters. Über die intellektuellen Nachbeben dieser Katastrophe, die den Optimismus des aufgeklärten Europas erschütterte und das Denken bewegte, informiert das schöne, wieder neu aufgelegte Buch Das Erdbeben von Lissabon. Dessen Autor, Horst Günther, nimmt auch den philosophisch nicht gebildeten Leser mit auf seinem Streifzug durchs 18. Jahrhundert.

Gleich neben der Ruine des Klosters sieht man den Sitz der Republikanischen Nationalgarde, in den sich Marcelo Caetano, der Nachfolger Salazars im Amt des Ministerpräsidenten, mit seinen Getreuen am 24. April 1974 geflüchtet hatte, als die Bewegung der Streitkräfte (Movimento das Forças Armadas, kurz: MFA), die Diktatur stürzte. Das Signal zur so genannten Nelkenrevolution kam 24 Minuten nach Mitternacht im Radio, als von José Vasconcelos im Radio Clube Portugues das Lied Grândola vila morena gespielt wurde.

Aber die moderne Stadt nährt sich vom Vergessen, Ruinen, in denen die Erinnerungen hausen, kann sie nicht dulden, so sie nicht romantisch bestrahlt werden; auch in Lissabon darf nicht weiter bestehen, was sich nicht rechnet. So werden im ehemaligen Hauptsitz der PIDE, der Geheimpolizei des faschistischen Portugals, in der Rua António Maria Cardoso nun luxoriöse Appartments gebaut. Antifaschisten hatten am Tag der Revolution ein zweites Straßenschild angebracht: Avenida dos Mortos pela PIDE (Straße der Opfer der PIDE).

Wer sich die Geschichte der Stadt vergegenwärtigen will, dem ist mit den knappen, meist äußerst oberflächlich und wenig anschaulich Abrissen, die sich normalerweise in den Reiseführern finden, kaum geholfen. Eine sehr kurze Einführung in die Geschichte Portugals vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart ist in der Reihe Wissen bei C.H. Beck erschienen. Für das nur 135 Seiten umfassende Buch sollte sich immer noch Platz im Koffer finden. Ein Standardwerk ist die Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreiches von Oliveira Marques, ein dicker und manchmal trockener Wälzer, der aber zunächst kaum eine Frage offen lassen wird - Lektüre für zu Hause.

Leider ist First Global Village. How Portugal Changed the World von Martin Page wohl nur in Portugal zu beziehen, ein Geschichtsbuch, reich an überraschenden Fakten und Anekdoten, glänzend und gegen den Strom geschrieben. Wer des Englischen mächtig und an der Geschichte des Landes interessiert ist, sollte in Lissbon bei FNAC oder in der Livraria Bertrand auf dem Chiado nach dem Buch fahnden. Auch mit der noch in beinahe jedem Reiseführer nachgeplapperten Legende von Heinrich dem Seefahrer als dem großen Visionär des portugiesischen Weltreiches räumt Page auf.

Dem unter der faschistischen Dikatur gepflegten Mythos der Entdeckungen und der portugiesischen Mission sollte man auf jeden Fall nicht auf den Leim gehen. Wer sich für die portugiesische Erkundung des Seewegs nach Indien und die maritime Expansion des kleinen Landes am Rande Europas interessiert, dem sei Günter Kollerts Gesang des Meeres. Entdeckungsfahrten als Mythos ans Herz gelegt. Hier erfährt man, wie eng das Reich der Phantasie mit der Geografie verwoben ist, die Sehnsucht nach Utopia mit der politischen Wirklichkeit. Schön ist, dass die Chronisten der Entdeckungsfahrten in sehr ausführlichen Zitaten zu Worte kommen.

Dazu passen natürlich die Lusiaden (Os Lusiadas) des Luís Vaz de Camões (1524/6 - 1680), die Vasco da Gamas Fahrt nach Ostindien (1497) in eine mythische Gesamtschau portugiesischer Geschichte betten, das portugiesische Nationalepos. Die Erscheinung Adamastors im 5. Gesang, der die portugiesischen Seefahrer auf ihrem Weg nach Indien am Kap der Guten Hoffnung, das die Portugiesen noch Kap der Stürme nannten, vor dem prometheischen Frevel, einem unerlaubten Überschreiten der dem Menschen gesetzten Grenzen, warnt, kann man dann auf dem Miradouro de Santa Catharina lesen, wo, in Stein gehauen, dieser Schrecken der Meer auf den Tejo schaut, auf dem statt Karavellen längst amerikanische Flugzeugträger vor Anker liegen. Doch die Prophezeiungen des Adamastor lesen sich auch heute noch wie ein Katalog der Ängste der Kolonisatoren angesichts eines fremden und feindlichen Landes.

Romane in Lissabon

Freunde des spannenden Thrillers kommen mit Tod in Lissabon von Robert Wilson auf ihre Kosten und werden dazu noch mit historischen Kenntnissen belohnt. Denn was anfangs wie ein Sexualmord in einem Vorort von Lissabon aussieht, entpuppt sich bald als ein mit viel Sex and Crime bestückter Fall, dessen Vorgeschichte bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges zurückreicht, als um die Wolfram-Minen im Norden Portugals eine heimliche Schlacht zwischen Nazis und Allierten gefochten wurde. Salazar hatten den Deutschen Bergbaukonzessionen für Wolfram überlassen - ohne dieses Edelmetall konnte im Deutschen Reich kein Kanonenrohr, kein Gewehrlauf, keine Panzerplatte, kein Kugellager gefertigt werden.

Aus dieser Zeit berichtet auch Júlia Nerys Der Konsul, eine Biogaphie des portugiesischen Konsuls in Bodeaux, Aristides de Sousa Mendes, der 1940 gegen die Anweisung des Diktators Salazar massenhaft Visa an Flüchtlinge verteilte und auf diese Weise über zehntausend Menschen das Leben rettete.

Zwei Romane vor allem bringen dem Leser die jüngere Geschichte des Landes nahe.

In Hoffnung im Alentejo erzählt der Nobelpreisträger José Saramago das Schicksal einer Tagelöhnerfamilie über vier Generationen, von der Jahrhundertwende bis kurz nach der Revolution von 1974. Wir erfahren von der Gewalt der Gutsbesitzer, von der erbärmlichen Schufterei auf den Latifundien, von den ersten Streiks, der Inhaftierung und Folter durch Agenten der Geheimpolizei PIDE, aber auch von einer neuen Generation, die die Träume ihrer Eltern von einem menschenwürdigen Leben im Alentejo zu verwirklichen suchten.

Die andere Vorgeschichte der Nelkenrevolution von 1974 erfährt man in Der Judaskuss von António Lobo Antunes. In einem Delirium von Metaphern, die wie Geschwüre um seine Erinnerungsbilder wachsen, erzählt ein betrunkener Veteran des Kolonialkrieges in Angola seine Geschichte. In kaum einem Buch kommt die panische Angst der Soldaten, von der in der Heimat kein Rede sein darf, so drastisch und unverklärt zu Wort wie in diesem Roman, in dem in Portugal das Schweigen über die Gräuel der portugiesischen Kolonialgeschichte zum ersten Mal gebrochen wurde. Wurden der Bildung des Soldaten(-körpers) alle Reste kindlicher Zerbrechlichkeit und jede Spur von Zärtlichkeit geopfert, besteht Hoffnung schon in diesem frühen Roman von Antunes nur im Zusammenbruch des militärischen Subjekts, in einer Erschütterung, die das gesamtes Werk heimsuchen und dessen ganz eigene, aus der Dissoziation geborene Schönheit und Musikalität ausmachen wird.

Einen Ausflug ins 19. Jahrhundert kann man mit Eça de Queiroz unternehmen, dem portugiesischen Fontane, wie es so oft heißt, dessen Ironie aber viel bissiger und zynischer als der Humor des Deutschen ist. Mit Eça de Queiroz beginnt die moderne portugiesische Literatur. War schon Das Verbrechen des Paters Amaro ein Skandal, so provozierte auch der zweite, 1878 veröffentlichte Roman des Autors, Vetter Basilio, das katholische Portugal. Luíza, eine sentimentale junge Frau der besten Lissabonner Gesellschaft, glücklich verheiratet mit einem Ingenieur, lässt sich während dessen Abwesenheit von ihrem Cousin, einem eleganten Lebemann, verführen. Der Ehebruch wird von der Dienstmagd entdeckt, einer teuflischen Person, die ihre Herrin erpresst und langsam in den Tod treibt.

Labyrinthe in Lissabon

Überhaupt fragt man sich Lissabon oft, was sich wohl hinter den Fassaden abspielen mag, denn eine gewisse Distanz bewahrt diese Stadt grundsätzlich. Aber dieses unaufdringliche Wesen gehört zur Freundlichkeit ihrer Bewohner. Lissabon nimmt den Besucher, kaum dass er es merkt, in sich auf und schmeißt sich ihm nicht an die Brust. Und nur in einigen Straßen überfallen mit Speisekarten bewaffnete Kellner den ahnungslosen Touristen. So ist man sehr schnell mitten in dieser Stadt, und wird sich in ihrem Inneren orientieren müssen, das oft einem Labyrinth ähnelt. Da helfen nur Stadtpläne - und die scheinen oft dem Gewirr der Gassen und unscheinbaren Flecken der kleinen Plätze und Parks nicht ganz gewachsen zu sein.

Der Falk-Plan hat so seine Schwächen, wenn er auch in meisten Fällen sicher eine Hilfe sein wird, denen zumindestens, die gelernt haben, mit dem obskuren Faltsystem umzugehen. Eine Alternative sind Reiseführer mit praktischen, übersichtlichen Karten zum Herausklappen wie der Polyglott on tour. Lissabon, mit Cityflip. Unübertroffen als Kartenwerk ist der Lisboa Guia Urbano aus dem Verlag Forum Ibérica, der im Lissabonner Buchhandel erhältlich ist, im Kiosk in der oberen Etage des Bahnhofs am Rossio sowie in einigen Zeitungs- und Andenkenläden. Mit seinen Karten im Format 1:5000 ist dieser Stadtplan in Wirklichkeit ein richtiges Buch, das zusätzlich ein Straßenverzeichnis, Bus- und U-Bahn-Linien sowie eine Liste wichtiger Telefonnummern enthält. Die Michelin Straßenkarte Portugal / Spanien ist wahrscheinlich die beste Straßenkarte für Portugal.

Mit dem großartigen Guia Urbano der für die Alfama eine Karte im Maßstab 1:500 bietet, kann man dann im Hotelzimmer versuchen, sich wenigstens nachträglich einen Überblick zu verschaffen, nachdem man das Gewirr dieser Gassen und Viertel erkundet hat, die zwar 1755 vom Erdbeben kaum Schaden genommen haben, um so mehr aber gezeichnet sind von der Zeit und der Armut ihrer Bewohner, die in jüngster Zeit beginnen der Altbausanierung zum Opfer zu fallen.

In der Alfama spielt auch der Kabbalist von Lissabon, ein so historisch exakter wie fesselnder Krimi vom Richard Zimler, der das Lissabon im Jahr 1506 zum Schauplatz hat. Nach einem Edikt des portugiesischen Königs Manuel I. wurden Tausende von Juden gezwungen, zum christlichen Glauben zu konvertieren. Als während des Passafestes der christliche Mob die jüdische Bevölkerung terrorisiert, wird der Buchillustrator Abraham Zarco in seiner Werkstatt tot aufgefunden, in der er heimlich verbotene jüdische Schriften herstellt. Neben ihm liegt die Leiche einer jungen Frau, das Manuskript, an dem er zuletzt gearbeitet hatte, ist verschwunden. Sein Neffe Berekia macht sich auf die Suche nach dem Mörder. Und das nicht nur in der Alfama, in der sich das kleinste der jüdischen Ghettos befand, sondern im ganzen mittelalterlichen Lissbon, das mit der nach 1755 neu gebauten Stadt kaum etwas gemein hat.

Gekrönt wird die Alfama noch heute vom Castelo São Jorge, das auf dem Hügel steht, von dem die Geschichte der Stadt ihren Lauf nahm. Im 11. Jh. begann die so genannte Reconquista, die Rückeroberung der seit 711 unter islamische Herrschaft gekommenen Territorien des heutigen Portugals. Lissabon wurde erst spät, 1147, vom christlichen Portugal (wieder) in den Besitz genommen, in einem Gemetzel, das man sich kaum blutig und grausam genug vorstellen kann. Angefeuert durch die Predigten der Priester und Bischöfe plünderten und brandschatzen die Soldaten die Stadt, unterstützt von Kreuzfahrern aus Nordeuropa, ermordeten und vertrieben ihre Bewohner. In seinem Roman Die Belagerung Lissabons lässt José Saramago den Korrektor eines Buches über die Historie Lissabons seinen Einspruch gegen die Geschichte formulieren: was wäre, wenn die Kreuzritter dem portugiesischen Heer nicht zur Hilfe gekommen wären?

Beides, der Kabbalist von Lissabon und die Belagerung Lissabons, sind Romane, die man getrost lesen kann, ohne Lissabon zu kennen, die aber neugierig auf die Stadt machen und vielleicht lehren, sie mit offenen Augen zu sehen, in ihren historischen Schichten: mit einem Blick für das, was Lissabon nicht mehr ist, und mit einem Blick für das, was Lissabon hätte sein können. Das kann die Literatur, Reiseführer können das nicht.

Der Reiseführer Lissabon von Johanns Beck ist allerdings fast immer verlässlich und bietet eine Masse an Informationen, zahlreiche Hotel- und Restaurant-Tipps, manchmal vielleicht zu viel. Hier finden sich dann auch die Tipps, die in den immer gleichen Highlights der üblichen Reiseführer keine Beachtung finden. Wer nicht nur in Lissabon unterwegs ist, für den sind die Reiseführer Portugal oder Nordportugal aus dem Verlag Michael Müller sicher interessant.

Dass Lissabon eine Stadt ist, in der Kinder auf ihre Kosten kommen, zeigt der mit vielen Ideen, Informationen und Vorschlägen für einen Aufenthalt aufwartende Lissabon Führer für Kinder, der zudem übersichtliche Pläne des Lissabonner U-Bahn- und Busnetzes enthält. Hübsch illustriert und mit vielen Bildern, Spielen, Rätseln und Gedichten versehen, ist der Reiseführer leider in einem oft verkorksten und fehlerhaftem Deutsch verfasst und wurde offensichtlich vom Lektorat ignoriert. In Deutschland scheint das Buch nicht erhältlich zu sein; in Lissabon findet man es bei FNAC oder in der Livraria Bertrand auf dem Chiado.

Fernweh nach Lissabon

Nicht als Reiseführer vor Ort, wohl aber als Lektüre nach der Rückkehr ist Claus-Günther Franks Lissabon. Entdeckungen in Portugals Metropole zu empfehlen. Zu wenig organisiert sind die Spaziergänge in diesem Buch, als das man sich dem Autor als Führer durch die Stadt anvertrauen könnte, für manche Wege braucht man viel mehr Zeit als man zu Beginn vielleicht ahnt. Aus Gedichten, Berichten, Romanen, Briefen und Tagebucheinträgen bekannter und weniger bekannter Autoren stellt Frank seinen Lissabonführer zusammen, in dem manchmal die Montage der Zitate zu willkürlich und die Vielfalt der Perspektiven zu spannungslos erscheinen; trotzdemmacht das Buch neugierig auf Lissabon, erfährt man doch von so viel Sehenswertem, dass man vielleicht Lust bekommt auf eine neue Reise nach Lissabon, auf eine Stadt, die soviel unterschiedliche Betrachtungen provoziert hat.

Und wer auf den Appetit der einfachen, atlantisch geprägten Küche Portugals gekommen ist, dem sei Portugiesisch kochen von Marcia Zoladz empfohlen, leider ohne Bildern, aber eine reichhaltige Sammlung typisch portugiesischer Rezepte.

Alle Tipps auf einen Blick

Reiseführer

Baedeker Allianz:
Reiseführer Lissabon
Baedeker Allianz:
Reiseführer Portugal
DuMont:
Kunst Reiseführer Portugal
Johannes Beck:
Lissabon und Umgebung
Michael Müller:
Portugal
Jürgen Strohmaier, Lydia Hohenberger:
Nordportugal
José Cardoso Pires:
Lissabonner Logbuch
Fernando Pessoa:
Mein Lissabon
Maria João Manso, Dieter Mettelsiefen:
Lissabon Führer für Kinder
Claus-Günther Frank:
Lissabon. Entdeckungen in Portugals Metropole

Kartenwerke

Falk Cityplan Extra Standardfaltung International:
Lissabon mit Straßenverzeichnis
Polyglott on tour:
Lissabon, mit Cityflip.
Forum Iberica:
Lisboa Guia Urbano
Michelin
Straßenkarte Spanien/Portugal

Literatur

Luis de Camões:
Die Lusiaden
José Maria Eça de Queiroz:
Das Verbrechen des Paters Amaro
José Maria Eça de Queiroz:
Vetter Basilio
António Lobo Antunes:
Der Judaskuss
Pascal Mercier:
Nachtzug nach Lissabon
Pascal Merciers:
Nachtzug nach Lissabon (Hörbuch)
Júlia Nery:
Der Konsul
Fernando Pessoa:
Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares
José Saramago:
Hoffnung im Alentejo
José Saramago:
Geschichte der Belagerung Lissabons
Antonio Tabucchi:
Lissabonner Requiem
Robert Wilson:
Tod in Lissabon
Richard Zimler:
Der Kabbalist von Lissabon

Geschichte

Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann:
Geschichte Portugals
A.H. de Oliveira Marques:
Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs
Martin Page:
First Global Village. How Portugal Changed the World
Günter Kollert:
Der Gesang des Meeres
Horst Günther:
Das Erdbeben von Lissabon und die Erschütterung des aufgeklärten Europa

Kochen

Marcia Zoladz:
Portugiesisch kochen

Musik

José Afonso:
Grandola Vila Morena (Mein Schönes Portugal)

Zuletzt geändert am 05.04.2008 14:19:18 von K.P.

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Kommentare

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  1. Reiselektüre für Lissabon

    Verfasst von: Tom am 10. Februar 2015 um 11 Uhr 02 | Permalink

    Hallo K.P.
    wenn ich den Artikel lese, bekomme ich sofort wieder Fernweh :-) . Ich war letztes Jahr für eine Woche in Lissabon - Ich muss sagen, es ist mit die schönste Stadt europas! Ich würde allerdings auf jeden Fall einen Reiseführer empfehlen, da es echt viel zum besuchen gibt. Eine Liste guter Lissabon Reisführer findet Ihr hier:
    [http://www.reisebuecherei.de/reisefuehrer-lissabon:Reiseführer für Lissabon].

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